Anton Kutter, erzählt von Sohn Adrian

ANTON KUTTER

Der 1903 in Biberach geborene und seit 1945 auch bis zu seinem Tode im Jahre 1985 lebende Diplom – Ingenieur wurde in zwei parallel verlaufenden Berufen berühmt: als Filmregisseur und Drehbuchautor und als Astronom.

Anton Kutter wurde am 13.Juni 1903 in Biberach geboren und ging dort zur Schule. Nach dem Abitur 1922 studierte er Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart mit dem akademischen Abschluss 1925 als Diplom-Ingenieur. Während dieses Studiums belegte er auch einige Semester im Fach Astronomie und war von 1923 bis 1925 Assistent an der Volkssternwarte in Stuttgart.
 


Else en Anton Kutter zusammen mit Dieter Lichtenknecker 1977

Als vor allem in den USA noch heute anerkannter Astronom beschäftigte sich Anton Kutter zeitlebens mit der Entwicklung von Fernrohren, half in Europa beim Aufbau von Volkssternwarten, wobei auch die Gründung des Planetariums in Laupheim ( Kreis Biberach ) von ihm maßgeblich unterstützt wurde. Zahlreiche Publikationen über den Bau von Fernrohrsystemen sind weltweit verbreitet. Bereits im Alter von 12 Jahren bastelte Anton Kutter sein erstes Fernrohr aus Ersatzteilen. Seine Fernrohrkonstruktion „Der Schiefspiegler“, in USA auch unter „Kutter – Teleskop“ bekannt, war bahnbrechend und wird vor allem von Amateurastronomen weltweit noch heute angewandt. Auf dem Dach des „Sternenpalast-Traumpalast“ – Kinos in Biberach steht eine Sternwarte mit drehbarer Kuppel, welche Anton Kutter im Jahre 1955 aus München nach Biberach umsetzen ließ. In der bis heute noch funktionalen Privat – Sternwarte befindet sich ein von Kutter selbst gebautes Schiefspiegler – Teleskop mit einer Brennweite von 7,5 Metern und einer Hauptspiegelöffnung von 300 mm Durchmesser. Mit einer selbst gebauten Rahmenkonstruktion konnte Anton Kutter mit Photo – Platten Bilder von Planeten und vor allem vom Mond, seinem Spezialobjekt, machen.

Schon im Alter von 10 Jahren bastelte Anton Kutter seinen ersten Photoapparat und wurde zum begeisterten Photographen.
Bereits im Jahre 1926 begann er als Kameramann, Drehbuchautor und Filmregisseur mit der Produktion von Filmen, erst in Köln(1926), dann in Paris(1927), dann Biberach(1928 bis 1931) und schließlich ab 1931 bis 1945 in den Filmstudios München – Geiselgasteig ( Emelka / Bavaria ). Von 1932 bis 1934 wurde er mit Drehbuch und Regie der beiden ersten Schweizer Tonfilme „Der goldene Gletscher“(1932) und „Die weiße Majestät“(1934), beides Ko-Produktionen Deutschland - Schweiz beauftragt. Bei den Dreharbeiten zu „Die weiße Majestät“ konnte er als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus mit kritischen Äußerungen gegen das Regime nicht zurückhalten und wurde vom Schauspieler Carl de Vogt verraten.1934 wurde Anton Kutter deshalb von Reichspropagandaminister Goebbels erst mit einem Jahr Berufsverbot, später mit „Spielfilmverbot“ belegt und musste sich ab 1936 in den Bavaria – Filmstudios bis 1945 ausschließlich der Produktion von wissenschaftlichen und technischen Filmen, von Kulturfilmen und anderen Dokumentarfilmen widmen.

Berühmt wurde dabei der erste ernsthafte deutsche Science – Fiction – Spielfilm „Weltraumschiff 1 startet“ (1936/1940). Nach Fertigstellung sollte dieser Film auf Anordnung von Minister Goebbels vernichtet werden. Dem Spielfilm stand ein längerer Epilog über die Entwicklung der Raketentechnik voraus und die Aufnahmen von Raketentests in Peenemünde sollten nach Beginn der Entwicklung der neuen Raketenwaffe V1 unbedingt geheim gehalten werden. Nach Vorsprache bei Goebbels konnte Anton Kutter die Vernichtung des Films abwenden, indem eine Kürzung des Films um entsprechende Aufnahmen genehmigt wurde. So kam dieser Film erst im Jahre 1940 in die deutschen Kinos, wo er sehr erfolgreich lief.


Oostende (Belgiën) 1976 links; Floriane Kutter

Ende des Jahres 1943 brannte Anton Kutters Haus in München bei einem Bombenangriff nieder und er brachte seine Familie bei seinem Schwiegervater Gottlob Friedrich Erpff, dem Besitzer des dortigen Kinos in Biberach, unter. Er selbst konnte bei seinem astronomischen Freund Professor Anton Stauss in Pullach/München unterkommen. Die beiden Astronomen betrieben dort schon seit 1931 eine gemeinsame Sternwarte. Nach der Schließung der Filmstudios in München-Geiselgasteig 1945 ging Anton Kutter auch nach Biberach und übernahm von seinem Schwiegervater ab 1948 die Leitung des Kinos „Filmtheater“. Bereits 1948, also nur 3 Jahre nach Kriegsende, konnte Anton Kutter wieder mit der Produktion von Filmen beginnen und führte bis 1955 Regie bei sechs Filmen, darunter vier Spielfilme als Ko-Produktionen zwischen Deutschland und Österreich.
Insgesamt umfasste Anton Kutters Gesamtwerk als Regisseur, Drehbuchautor und Produktionsleiter 50 Filme.
Im Jahre 1955 erweiterte Anton Kutter den Kinobetrieb in Biberach um ein zweites großes Kino mit dem Namen „Urania“, auf dessen Dach er die von München nach Biberach im selbigen Jahr überführte Sternwarte setzte.
1972 übergab er die Führung des Kinobetriebes an seinen Sohn Adrian Kutter und widmete sich ab diesem Zeitpunkt nur noch seinen astronomischen Arbeiten.
Anton Kutter starb am 1.Februar 1985 in seiner Heimatstadt Biberach.
Er war verheiratet mit Else Kutter, geborene Erpff (1907 bis 1980), und hinterließ drei Kinder: Claus(*1937), Adrian(*1943) und Floriane(*1944)

Adrian Kutter- Jean-Pierre Grootaerd jan. 2017

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